Was ist Bedarfswirtschaft?

Die Bedarfswirtschaft wird auch Substitutionswirtschaft genannt. Meist handelt es sich um landwirtschaftliche Wirtschaftsformen, die auf das Ziel ausgerichtet sind, die Selbstversorgung zu garantieren. Mit der Selbstversorgung wird die möglichst vollständige Sicherstellung des Lebensunterhaltes einer Familie oder Gemeinschaft angestrebt. Auch das Jagen und Sammeln wird zu den Tätigkeiten gezählt, deren sich die Familie, die Gemeinschaft bemächtigt, um ihrem Ziel so nahe wie möglich zu kommen.

Nur noch selten kann es zu einer vollständigen Bedarfswirtschaft kommen. Grund hierfür ist die Tatsache, dass es weltweit nur wenige Menschen gibt, die inklusive der Herstellung von Werkzeug und Bedarfsmaterialien sowie des Hausbaus tatsächlich alle Gewerke problemlos durchführen können. Alle anderen sind auf die Hilfe von Handwerkern oder Herstellern der verschiedenen Produkte angewiesen. Sie werden auf entweder direkt gekauft oder auf Märkten für die Allgemeinheit angeboten.

Das wichtigste Merkmal der Bedarfswirtschaft ist die fehlende Marktorientierung. Arbeitsteilung ist eher unerwünscht. Jeder ist für alles zuständig und wird meist in entsprechenden Plänen für die Arbeit eingeteilt. Zudem kommt die Bedarfswirtschaft vollkommen ohne Profitstreben aus. Sollte es tatsächlich zu Gewinnen im klassischen Sinne kommen, wird das Geld in unterschiedlicher Weise investiert, um der Familie, der Gemeinschaft zu Gute zu kommen. Ob dies die Anschaffung neuer Gerätschaften oder Kleidung bedeutet, muss stets kurzfristig, nämlich wenn das Geld zur Verfügung steht, gemeinsam beschlossen werden. Allerdings muss hinzugefügt werden, dass die vollständig autarke Lebensweise in der heutigen Zeit kaum möglich ist. Die Bedarfswirtschaft hingegen, die eben den Warenaustausch bzw. Verkauf auf Märkten und so weiter durchaus befürwortet, kann problemlos auch auf kleinem Raum durchgeführt werden.

Auch der Privatmann, der einen Nutzgarten in seinem Garten aufgebaut hat, wird der Bedarfswirtschaft zugezählt. Sicherlich kann er, je nach Größe des Gartens, einen Großteil seines Lebensmittelsbedarfs auf dem eigenen Land säen und ernten. Oftmals ist jedoch bereits beim Getreide dem Ganzen eine Grenze aufgezeigt. Um für sich selbst ausreichend Getreide zu erhalten, sind doch mehrere Hektar Land notwendig. So wird hier bereits beim Biobauern um die Ecke gekauft. Die kann auch für andere Produkte gelten. Produkte, die raumfordernd sind oder eine spezielle Behandlung benötigen. Und doch sind es gerade die privaten Gartenbesitzer, die immer öfter einen Nutzgarten hegen und pflegen anstatt das Gartenstück mit Zierpflanzen auszustatten. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Die einen möchten ganz einfach ihr gesunde Bio-Gemüse selber ziehen. Die anderen wollen sich pauschal ein wenig von der Industrie- und Konsumgesellschaft entfernen – einen Punkt finden, in dem sie von niemandem abhängig sind. Man könnte sagen, dass sich die so genannte Gartenbewegung, wie wir sie bereits zu Beginn des 20.  Jahrhunderts gebildet hat, erneut verstärkt etabliert. Und es gibt sicherlich unsinnigere Hobbys als den Nutzgarten, das Jagen oder Fischen.

Andere Länder, andere Gründe

Insbesondere in den Dritte-Welt-Ländern finden wir noch viel Bedarfswirtschaft vor. Denn hier bleibt den Menschen nichts anderes übrig, als einen Teil ihres persönlichen Bedarfs eigenständig anzubauen. Ja, auch sie verkaufen ihre Überschüsse auf dem Markt. Für sie sind dies Einnahmen, die sie dringend benötigen, um andere Anschaffungen tätigen zu können. Gleichzeitig können sie Menschen aus der Nachbarschaft mit ihren Produkten versorgen. Menschen, die vielleicht keinen Garten haben oder sich mit dem Anbau von Nahrungsmitteln nicht auskennen. Dies ist möglich, da die Dorfgemeinschaft in diesen Regionen noch traditionell funktioniert. Einer baut Nahrung an, der andere ist ein Handwerker. Einfach, aber effektiv.

Für den Eigengebrauch haltbar machen

Ja, auch hierbei handelt es sich um einen Bereich der Bedarfswirtschaft. Da wir in einer Region leben, in der die Vegetationsperiode für gewöhnlich im Oktober beendet ist, ist es notwendig, entsprechende Vorräte für die kalte Jahreszeit, in der der Boden und die Bäume und Sträucher ruhen, anzulegen. Dies kann auf verschiedene Weisen geschehen.

  • Trocknen: Insbesondere Kräuter sowie Blüten, aber auch Wurzeln verschiedener Heilpflanzen werden getrocknet. Daneben ist das Trocknen fast aller Früchte und vieler Gemüsepflanzen möglich. Ob dies per Sonnenenergie im Trockenschrank vorgenommen wird oder, unserer Zeit entsprechend, in einer so genannten „Dörre“ durchgeführt wird, ist bedingt unerheblich. Wichtig ist, das Trocknen korrekt durchzuführen und die Waren trocken und kühl einzulagern.
  • Einkochen: Was sich gerade anhört wie aus Großmutters Zeiten, ist ein Überbleibsel aus dem 20. Jahrhundert und vielleicht auch davor. Die Nahrungsmittel müssen auf die eine oder andere Weise haltbar gemacht werden. Einkochen ist also genau genommen der nicht industrielle Vorgänger der Konservendose, die in großem Stil den Markt erobert hat. Natürlich wird in den meisten Haushalten heute aber nicht mehr eingekocht. Sie kaufen die Waren lieber frisch im Discounter / Supermarkt und kochen täglich frisch.
  • Fermentieren: Das „Sauer-Einlegen“ bezieht sich nicht nur auf Rote Beete oder Einleggurken und Zwiebeln. Viele Lebensmittel können sauer eingelegt werden und sind dabei extrem schmackhaft.
  • Saften: Gerade im Bereich der Früchte kann aus vielen Obst- und Gemüsesorten ein fantastisch schmeckender und vielseitig einsetzbarer Saft hergestellt werden. Auch dieser ist natürlich mittels Einkochens haltbar zu machen.

Bedarfswirtschaft ist mehr als „nur“ Gartenarbeit

Die Bedarfswirtschaft kann neben der landwirtschaftlichen Produktion und der dazugehörigen Konservierung und Verarbeitung auch in anderen Bereichen des täglichen Lebens Einzug halten.

Während das Gärtnern auch im Kleinen machbar ist, ist dies mit der Tierhaltung zur Selbstversorgung schon schwieriger. Dennoch nimmt auch dieser Bereich in den Stadtrandgebieten und selbstverständlich im ländlichen Bereich immer stärker zu.  Viele Stadtbewohner suchen sich daher Nischen, in denen sie ihre eigenen Produkte herstellen können. Dies beginnt mit dem altbewährten und immer noch sehr beliebten Stricken und Häkeln. Das Weben und Spinnen von Garnen erfährt gerade eine nicht zu unterschätzende Renaissance. Und wo wir uns gerade im Bereich des Handarbeitens bewegen – das Schneidern für den Eigenbedarf hat enorme Ausmaße angenommen. Kein Wunder, denn es macht Spaß und ist äußerst sinnvoll.

Selbiges gilt für das Heimwerkern. Immer mehr Menschen kaufen die Rohstoffe im Baumarkt und fertigen ihre Möbel selber. Ja, das ist schon einmal da gewesen. Und es ist gut, dass es sich wieder etabliert. Auch wenn es vermessen klingen mag: Die Preise, die man für gute Waren im Handel ausgeben muss, wachsen ins Unermessliche. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen selber Hand anlegen:

  • Kfz reparieren
  • Wohnung / Haus selber renovieren / sanieren
  • Töpfern
  • v.m.

Die Zeiten des „Selber-Machen-Lassens“ scheinen sich dem Ende zu neigen. Wie heißt es so schön: „Wir machen es, weil wir es können!“ (… und die Möglichkeit dazu haben).